Liberalisierung und die schwere Geburt
Gasmarkt
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Als dritter Markt nach dem Strommarkt und dem Telefonmarkt wurde 1998 der Gasmarkt für den Wettbewerb geöffnet. So sehr der Wettbewerb bei Strom und Telefon mittlerweile funktioniert, so wenig spürt man Veränderungen am Gasmarkt. Die Gründe sind komplizierte Regelungen um zum Netz Zugang zu erhalten, lokale Monopole und andere Markteintrittshürden, die ein Wettbewerb nur schwer möglich machen.
Für Furore sorgte eine Liste des Bundeskartellamts Anfang 2007. Darin wurden regionale Preisunterschiede bei den Tarifen der Gasanbieter von bis zu 60 % aufgezeigt. Lokale Monopole scheinen hier immer noch zu funktionieren. Zumindest für Aufmerksamkeit sorgte dieser Paukenschlag. Schnell haben sich auch Gasrechner im Internet entwickelt, um die wenigen alternativ verfügbaren Angebote zu den lokalen Gasanbieter zugänglich zu machen.
Schlecht für Verbraucher ist auch, dass nach wie vor der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt wird. Und trotz des rasanten Ölpreisanstiegs ist ein Ende dieser umstrittenen Kopplung in Deutschland nicht in Sicht. Die wichtigsten Erdgasimporteure und -exporteure sehen keinen Grund, die gut 40 Jahre alte Regelung zur Entlastung der Verbraucher zu kippen. Verständlich aus deren Sicht.
Gas ohne Ölpreisbindung wäre zeitgemäßer
Anders sieht das die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert, die im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP (Juni 2008) die Preisbindung für überholt hält. "Gas könnte deutlich billiger sein, wenn man es vom Öl entkoppeln würde", sagte Kemfert zu AFP. Energieversorger im ganzen Bundesgebiet hätten die Gaspreise in diesem Jahr Jahr bereits um rund 20 Prozent angehoben oder Teuerungen angekündigt. Wegen der derzeitigen Rekordfahrt des Ölpreises sei jedoch bis zum Herbst mit weiteren Preissteigerungen in Höhe von zusätzlichen 20 Prozent zu rechnen.
Einst als Orientierungsmarke von Ländern wie den Niederlanden oder Russland eingeführt (es fehlte schlichtweg ein Preis für Gas), gibt es heute bessere Möglichkeiten einen vernünftigen Preis für Gas zu bilden. Rohstoffbörsen etwa. Anders sieht das natürlich der Branchenverband BDEW, der die Preiskopplung von Gas an Öl als ein "marktgerechtes Instrument" bezeichnet und sagt, dass es sich dabei um langfristige Lieferverträge handelt, die nicht einfach einseitig gekündigt werden könnten.
Theoretisch schützen diese Preise auch vor Steigerungen. Andere Experten zeigten sich im Interview mit der AFP skeptisch, ob eine Trennung von Gas- und Ölpreis Besserung bringen würde. Das Ende der Kopplung könnte sogar zu steigenden Preisen führen, mahnte Rohstoffexperte Klaus Matthies vom Hamburgischen WeltWirtschafts Institut HWWI. Dann hätten Gasanbieter einen Hebel in der Hand, Preise für Erdgas selbst vorzugeben - auch willkürlich.
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